Geschichte

Zeitreise

Am 6. Mai 1905 genehmigt der „Königliche Polizeipräsident von Aachen“ die Pflege körperbehinderter Kinder durch die Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul. Am 15. August 1905 wird das Haus auf den Namen „Vinzenz Krüppelheim“ getauft.

Für 90.000 Mark erwirbt im April 1906 die Josefs-Gesellschaft das Vinzenz-Heim. 1907 beschließt der Verwaltungsrat den Bau einer Krankenstation und eines Nähsaals für schulentlassene Mädchen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wohnen 130 Mädchen im Heim.

1928 wird der Schulneubau eingesegnet sowie die neue Abteilung für die Berufsausbildung der schulentlassenen Mädchen (Schneiderinnen und Weißnäherinnen) eröffnet. 1938 werden die Vinzentinerinnen von den Schwestern Unserer Lieben Frau abgelöst.

Das im Krieg zerstörte Hauptgebäude wird 1949 wieder aufgebaut. Dort befinden sich die Verwaltung, eine drei Klassen umfassende Schule und die Schlafräume der Jungen und der weiblichen Auszubildenden. Platz ist da für 110 Betten für Bewohner und Personal.

Am 25. Dezember 1956 wird der erste Gottesdienst in der neuen Kapelle gefeiert. Mit einem Weihnachtsspiel der Kinder wird am gleichen Tag der große Saal im Erdgeschoss eingeweiht (die „Cafeteria“).

Die ersten 19 Schülerinnen der neu errichteten Handelsschule werden 1957 aufgenommen. 1960 wird die Damenschneiderei durch die Josefs-Gesellschaft aufgelöst. Die Aktion Sorgenkind finanziert 1965 eine Minigolfanlage und ein Schwimmbad.

1968 wird der 10.000ste Klinikpatient im Vinzenz-Heim begrüßt. Eine neue Sonderschule für Körperbehinderte mit einem modernen Hallenschwimmbad wird 1969/70 gebaut. Das neue Internat wird 1971 bezogen, das neue Personalwohnheim 1975 eingeweiht.

1979 wird die Klinik des Vinzenz-Heims geschlossen. Alte Gebäude werden abgerissen, die Handelsschule zieht in frei werdende Klassen der Sonderschule ein, die nach Bildchen ausgelagert wird. Im März 1986 wird die Wäscherei geschlossen.

Am 16. Mai 1986 findet der erste Schüleraustausch mit einem Internat in England statt. 1987 wählen die Bewohner des Vinzenz-Heimes das erste Mal ihren Heimbeirat. Die Teilhabe und Mitbestimmung der Bewohner wird in den nächsten zwei Jahrzehnten stetig ausgebaut.

1989 bezieht die erste Außenwohngruppe ein Haus in Eschweiler, die erste von fünfen. Damit wird der Anspruch, die Selbstständigkeit von Bewohnern zu fördern, noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Ambulante Betreuungsformen kommen mehr als zehn Jahre später hinzu.

In den nächsten zwei Jahrzehnten erfolgt eine stetige Erweiterung und Ausdifferenzierung des stationären Wohnangebots für Erwachsene – Wohnortnähe ist gefragt. Es entstehen Häuser in Herzogenrath (1998), Simmerath (2002), Alsdorf (2003) und Aachen-Brand (2005).

Mit einer Beraterin in Alsdorf engagiert sich seit 2005 das Vinzenz-Heim im Verbund der Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsstellen (KoKoBe) für die Beratung von Menschen mit geistiger Behinderung im früheren Nordkreis der StädteRegion Aachen.

Auch auf dem Stammgelände in Aachen-Siegel tut sich enorm viel, gerade nach der großen 100-Jahr-Feier in 2005. Das Außengelände gewinnt mit einem Garten der Sinne, einer Caféterrasse, einer Grillhütte und einem Sportplatz noch mehr an Aufenthaltsqualität, als es ohnehin schon hatte.

2007 verlassen die letzten Schwestern Unserer Lieben Frau das Vinzenz-Heim. Damit geht eine über 100-jährige Tradition des Dienstes von Ordensfrauen in dieser Einrichtung der Behindertenhilfe zu Ende.

Im Jahr 2010 wurden auf dem Stammgelände des Vinzenz-Heimes zwei neue attraktive Wohnanlagen eingeweiht, ein Haus für Erwachsene und eine Wohnanlage für Kinder und Jugendliche.

Mit dieser Ausstattung und den differenzierten pädagogischen und pflegerischen Konzepten der verschiedenen Häuser und Gruppen ist die Einrichtung, gewachsen auf historischem Fundament, gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft.